Geschichte

​​​​Soja ist ein zentrales Thema für die europäische Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion: 2012 wurden rund 33 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot  in die Europäische Union importiert, während nur knapp eine Million Tonnen selbst produziert wurden. Das - vor allem für die Tierfütterung - essenzielle Eiweiß stammte demnach nur zu 2,6% aus der Union. Die daraus resultierende Abhängigkeit von Staaten wie Brasilien, Argentinien und den Vereinigten Staaten stellt eine ökonomische, ökologische und politische Herausforderung dar. Hinzukommt, dass der Großteil der Importe, rund 95%, aus gentechnisch verändertem Saatgut hergestellt wird.

Ein erheblicher Teil der Wertschöpf­ung der heimischen Eiweißversorgung liegt damit, trotz enormen heimischem Potential, außerhalb Europas: Der Soja-Anbau Europas hat zur selben Zeit ein sehr hohes Potential. Bis 2025 könnten wir uns zu 50% selbstversorgen. 
​Rumänien, Serbien, Kroatien und weitere Länder der Donauregion schöpfen ihre Anbaumöglichkeiten bei weitem noch nicht voll aus. Brachflächen von 1,8 Millionen Hektar, kein leichter Zugang zu passendem Saatgut und fehlendes Know-How im Sojaanbau sind Gründe für geringe Produktionsmengen.

Doch nicht nur die Abhängigkeit der Importe stellt Europa vor eine zentrale Herausforderung: auch beim Thema Klimaschutz hat der Soja-Import eine signifikante Relevanz. Eine Studie des renommierten SERI-Institutes belegt, dass allein bei der österreichischen Schweinefleisch-Produktion eine Umstell­ung von Import-Soja auf regionales, in Europa angebautes Soja etwa 50 % der CO2-Emissionen einsparen könnte – insgesamt rund 1,1 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr.​

INITIATIVE DONAU SOJA – FÜR QUALITÄTSSOJA AUS DER DONAUREGION

Um dieser Herausforderung wirkungsvoll zu begegnen, hat sich ausgehend von Österreich die Initiative Donau Soja gebildet: Donau Soja fördert den Anbau von Qualitäts­soja in der Donauregion – als Basis für eine qualitativ hochwertige, herkunfts­gesicherte und gentechnikfreie Futtermittel- und Lebensmittelproduktion. Und leistet damit einen wichtigen Beitrag für eine eigen­stän­dige europäische Eiweißversorgung.

Donau Soja ist ein Markenprogramm für Sojabohnen, Lebensmittel aus Soja (z.B. Tofu, Soja Drinks) und Produkten von Tieren, welche mit ​Soja-Mehl oder gerösteten Soja-Bohnen gefüttert wurden (z.B.: Milch, Eier, Fleisch).

Ein wichtiges Element der Initiative ist ihr Forschungspro​jekt. Dieses verbindet europäische, aber auch internationale Züchter und Wissenschaftler. Europa fehlt es nicht an Know-How und Expertise, sondern an Koordination und Vernetzung. Der Verein bietet Forschern eine Kommunikationsplattform. Der 2. Internationale Soja Kongress  im September 2012 in Wien gab den Startschuss für dieses Programm.

Aber auch abseits der Chancen für eine Europäisierung der Eiweißversorgung erschließt das Projekt viel­fältiges Potenzial: Für die regionale Stärkung des Donauraumes durch Investitionen in den Anbau von Qualitätssoja, ebenso wie für den Ausbau der Donau als Versorgungsader Europas. Auch der, für die Wertschöpfungskette notwendige Ausbau der Infrastruktur bietet der Region interessante ökono­mi­sche Perspektiven. Im ersten Schritt soll der Schwerpunkt auf den Ländern Kroatien, Serbien, Ungarn und Rumänien liegen.